Die Herausforderungen einer Patchworkfamilie
- Sandy Meyer

- 21. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. Aug.
„Wir sind jetzt eine Patchworkfamilie". Klingt so einfach. So romatisch irgendwie.
Als wäre eine Patchworkfamilie ein Puzzle, das man einmal hinlegt und dann fertig ist.
Nur zeigt sich im Alltag meist eine etwas andere Wahrheit.
Und ich glaube, es ist jetzt mal höchste Zeit, sie laut auszusprechen, damit du aufhörst, dir vorzuwerfen, dass es noch nicht „funktioniert", weil du irgendwas falsch machst.
Denn Patchworkfamilie ist kein nettes Projekt.
Es ist ein Prozess.

Es gibt nicht diese eine Version einer Patchworkfamilie. Es gibt verschiedene Konstellationen und jede bringt ihre ganz eigene Dynamik und somit auch Herausforderungen mit. Patchwork ist so vielseitig und komplex zu gleich, dass ich hier wirklich nur recht grob auf die diversen Konstellationsmöglichkeiten eingehen kann.
Patchworkfamilien und ihre Herausforderungen. Kompliziert und komplex.

Die erste, nennen wir mal die „einfache" Konstellation: Du hast Kinder, dein neuer Partner nicht. Klingt überschaubar, oder? Aber schon hier stecken Fragen, die selten gestellt werden. Ist dein Partner freiwillig kinderlos? Wollte er oder sie je eigene Kinder? Was löst es in ihm oder ihr aus, in eine bestehende Elternbeziehung einzutreten, ohne die Biografie, ohne den Schlafentzug der ersten Jahre, ohne die Narben der Geburt? Und was löst das in dir aus?
Dann gibt es die zusammengesetzte Konstellation: Ihr bringt beide Kinder mit. Das klingt nach Augenhöhe. Ist es aber nicht automatisch. Wessen Kinder sind älter? Wer bringt zwei mit, wer vier? Wie war die eigene Schwangerschaft, die eigene Geburt? Eine Frau, die eine traumatische Geburt hinter sich hat und nun sieht, wie ihr Partner über die Geburt seiner Kinder erzählt, das ist keine Kleinigkeit. Das sitzt. Tief.
Und dann gibt es die komplexe Konstellation: Ihr habt all das und bekommt zusammen noch ein Kind. Jetzt haste es schriftlich von mir: Das ist nicht einfach „ein Baby dazu". Das ist ein System, das sich komplett neu ordnen muss.
Was bedeutet das für die Kinder, die schon da sind? Was denkt die Ex-Partnerin, der Ex-Partner? Wie reagiert das Umfeld? Wie belastend war diese Schwangerschaft? Emotional, körperlich, in Bezug auf die bestehende Familienstruktur?
Und dann kommt noch...
Jetzt stelle dir vor: In jeder dieser Konstellationen der Patchworkfamilien steckt noch eine weitere, individuelle Dynamik und ebenso entsprechende Herausforderungen
Denn...
Zwei Patchworkfamilien mit derselben Grundkonstellation können trotzdem vollkommen verschieden sein. Weil die Vorgeschichten verschieden sind und auch die Bindungsmuster. Weil eine Trennung nach zwanzig Jahren Ehe etwas anderes hinterlässt als eine nach drei. Oder weil manche Kinder mit Übergängen zwischen zwei Haushalten groß werden, die relativ friedlich laufen und andere wöchentlich in ein Minenfeld aus unausgesprochenen Konflikten stolpern.
Das ist keine Übertreibung. Das ist der Alltag in Tausenden von Familien.
Und genau deshalb sind Sätze wie „Nach ein paar Monaten pendelt sich das ein." so gefährlich und blöd. Denn nein. Das tut es nicht einfach so. Es ist richtig harte Arbeit.
Sieben Jahre.
Es gibt eine Schätzung, dass eine Patchworkfamilie im Schnitt etwa sieben Jahre braucht, um sich wirklich als System zu finden. Um zu wissen: Wer bin ich hier? Welche Rolle habe ich? Was sind meine Grenzen? Was trägt uns?
Sieben Jahre. Ich meine WTF ?
Kein halbes Jahr. Kein kleiner Urlaub, der euch zusammenschweißt. Keine große Feier, nach der alle endlich „eine Familie" sind.
Das ist keine schlechte Nachricht, auch wenn es etwas demotivierend klingt. Aber wenn du das weißt, kannst du aufhören, dich dafür zu bestrafen, dass es noch nicht rund läuft. Du kannst aufhören zu glauben, dass andere das irgendwie besser hinbekommen. Denn du kannst deine Situation nicht komplett m it anderen vergleichen.
Du kannst aber anfangen, deine Situation mit der Ernsthaftigkeit zu begegnen, die sie verdient und dich über die Fortschritte freuen, die euch näher bringen. Denn natürlich schweißen gemeinsame Erlebnisse zusammen, nur ist halt ein schöner Urlaub keine Garantie für ein friedliches und harmonisches Beisammensein für die nächsten Jahre.
Was das für dich bedeutet und warum du nicht allein damit sein musst
Patchworkfamilien sind keine gescheiterten Familien. Sie sind Familien im Aufbau und in der Findung. Und seine eigene Rolle in diesem Familiensystem finden zu können, bedarf vor allem viel Verständnis und Mut, Dinge anzusprechen, ohne direkt alles komplett in Frage zu stellen.
Wenn du dich hier gerade wiedererkennst, oder gerade in einer Konstellation steckst, die dich erschöpft, verwirrt oder überfordert, eben weil sie einfach komplex ist, dann lass uns gerne reden.
Buche dir jetzt einen Beratungstermin – damit du nicht weiter allein versuchst, ein sieben-Jahre-Projekt in sechs Monaten zu stemmen.
Lass uns gemeinsam deine Rolle finden und das patchworkfamilien-Puzzel zusammensetzen.
Ich freu mich auf dich.
Alles Liebe
Sandy



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