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Welches Umgangsmodell ist das Richtige für mein Kind, nach der Trennung?

Aktualisiert: 14. Aug.


Du sitzt vielleicht gerade mit einem Block vor dir und schreibst Varianten auf. Wochenwechsel. Jedes Wochenende. Kurze Kontakte. Lange Kontakte. Übernachtungen – ja oder nein, und wenn ja, ab wann und wieviele?

Und irgendwo zwischen all diesen Optionen, ploppt diese Frage auf:

"Was ist eigentlich gut für mein Kind?"


Du bist nicht die einzige Person, die nachts mit dieser Frage wach liegt und versucht DIE beste Umgangsregelung für dein Kind zu finden.


Titelbild, Frau fragend gucken

Warum die Suche nach dem „richtigen" Umgangsmodell nach der Trennung so erschöpfend ist


In der heutigen Zeit haben wir eines im Überfluss: Informationen. Zack, Laptop auf und losgoogeln. Nur vor lauter Informationen und Tipps aus dem Internet und auch gerade bei Social Media, verlieren wir schnell den Überblick und vor allem das Gefühl für "ein gesundes Maß" an Infos. Denn du wirst keine konkrete Antwort auf die Frage finden, welches Umgangsmodell nach einer Trennung das "richtige" für dein Kind ist.


Die eine Studie sagt, Wechselmodell fördert die Bindung zu beiden Elternteilen. Die andere warnt vor zu vielen Übergängen bei kleinen Kindern. Der Anwalt empfiehlt, was vor Gericht am häufigsten durchgeht. Die beste Freundin erzählt, was bei ihr funktioniert hat. Die Schwiegermutter hat sowieso eine Meinung und du stehst mittendrin, versuchst das alles zu sortieren und weißt am Ende eher weniger als vorher.


Was dabei zusätzlich reinspielt: Du bist gerade nicht in deinem entspanntesten Zustand! Eine Trennung ist keine neutrale Lebenssituation, in der man klar und ohne Eigeninteresse abwägt. Das ist menschlich und wirklich völlig normal. Nur macht es diese Entscheidung eben auch deswegen so verdammt schwer.


Was wirklich entscheidet und was egal ist


Ich bin mal ganz direkt: Es gibt kein "perfektes" Umgangsmodell.

Keines, das du einfach übernehmen kannst, weil es bei der Nachbarin gut lief oder weil das Familiengericht es häufig anordnet.


Was tatsächlich eine Rolle spielt, ist euer ganz konkreter Alltag:


  • Wie alt ist dein Kind und was braucht es in diesem Entwicklungsabschnitt an Stabilität, Verlässlichkeit, Kontinuität?

    Ein Zweijähriger erlebt Wechsel anders als ein Zehnjähriger. Nicht besser oder schlechter, aber eben anders.


  • Wie ist die Bindung zu beiden Elternteilen aufgebaut? War ein Elternteil bisher die primäre Bezugsperson, oder war das von Anfang an geteilt? Das beeinflusst, wie viel Wechsel ein Kind gut integrieren kann, ohne sich innerlich zu verlieren.


  • Wie hoch ist das Konfliktniveau zwischen euch? Das ist der Punkt, über den am wenigsten offen gesprochen wird, aber er ist einer der einflussreichsten. Kinder, die mitbekommen, dass die Übergabe ein Minenfeld ist, dass sie zwischen zwei Welten jonglieren müssen, die sich nichts gönnen, landen im tiefsten Loyalitätskonflikt. Sowas zeigt sich dann oft bei den Kindern im Körper, im Verhalten, in der Schule, im Schlafen... im Alltag.


  • Wie verlässlich sind beide Elternteile? Nicht im moralischen Sinn, sondern ganz praktisch: Wer ist wann verfügbar? Wer kann Kontinuität bieten?


  • Wie weit sind die Wohnorte voneinander entfernt? Ein Wechselmodell mit 80 Kilometern dazwischen klingt auf dem Papier fair und kostet das Kind jeden zweiten Montag eine Stunde im Auto, bevor es in der Schule sitzt.


Was ich dir empfehle


Ich rate grundsätzlich dazu, zu Beginn erstmal einen Umgang für zum Beispiel 3 Monate festzulegen. Hierbei geht es nicht um Perfektion, sondern einfach darum, dass er handhabbar ist und eurem Kind erstmal eine Aussicht gibt, was sich nun ändert. Stichwort Sicherheit! Denn das ist ein Grundbedürfnis von Erwachsenen wie auch von Kindern und hilft somit euch allen, wenn hier Klarheit herrscht. Je nach Alter des Kindes könnt ihr es ihm auch entsprechend mitteilen, dass ihr erstmal diesen Umgang plant und dann nach X Wochen/Monaten euch gemeinsam hinsetzt und besprecht, ob es so weitergehen soll, oder was sich ändern darf.


Denn in dieser ersten Zeit, beobachtet ihr wie es euch allen (!) damit geht.


Schaut hin und nehmt wahr:

Wie ist dein Kind nach den Übergaben? Ruhig, aufgedreht, anhänglich, verschlossen?

Wie schläft es?

Wie ist es in der Kita oder Schule?

Was sagt es und was sagt es nicht, aber zeigt es trotzdem?

Und bitte auch: Wie lief es für euch Erwachsene?

Was hat dir gefehlt, was lief gut?


Diese Beobachtungen sind wertvoller als jede Studie, die du online findest, weil sie von deinem (!) Kind handeln. Nicht von einem Durchschnittskind in einer Untersuchungsgruppe X, wo alles nach Schema F lief.


Und jetzt? Flexibel bleiben.

Ein Umgangsplan, der vor zwei Jahren Sinn ergeben hat, muss es heute nicht mehr tun. Kinder verändern sich, Lebenssituationen verändern sich und ja, das auch mal mittendrin und plötzlich. Was mit vier Jahren gut funktioniert hat, kann mit sieben nicht mehr passen und das ist kein Zeichen dafür, dass irgendjemand gescheitert ist. Nehmt es wahr als ein Hinweis darauf, dass ihr nun vielleicht nochmal neu sortieren müsst.


Denn was dein Kind wirklich braucht...


Ist nicht dieses eine "perfekt durchgeplante" Modell.

Es braucht im besten Fall zwei Elternteile, die ihre eigenen ungelösten Gefühle nicht auf dem Rücken des Kindes austragen. Die Übergaben so gestalten, dass das Kind nicht das Gefühl hat, sich entscheiden zu müssen. Und die dem Kind erlauben, beide Elternteile zu lieben, ohne schlechtes Gewissen.


Das klingt simpel und es ist gleichzeitig das Schwerste, was es in dieser Situation gibt. Ich weiß es sehr gut, da ich selbst da durchgegangen bin und auch weiterhin gehe.

Doch sobald ihr es schafft, etwas Abstand von der eigenen Verletzung zu bekommen udn das auch so wahrzunehmen, wird auch die Kommunikation mit der ExPartnerperson leichter. Und ja, auch wenn das erstmal nur bi einer Person passiert.

Genau solche Situationen begleite ich in meinen Beratungen und habe jede Woche dieses, oder ähnliche Themen in den Gesprächen.


Ein letzter Gedanke


Statt dass du dich nur auf diese eine Frage fokussierst „Welches Modell ist das Richtige?", klärt erstmal gemeinsam, was logistisch überhaupt funktionieren kann, rechtlich umsetzbar ist und zu eurem Alltag passt.

Dann frag dich ehrlich, was dein Kind von dir als Elternteil wirklich braucht.


Die Antwort darauf bekommst du, wenn du beobachtest, hinschaust, zuhörst und Geduld hast. Oft zeigt sich dann aber auch, dass du von gewissen Vorstellungen (Wünschen) loslassen musst udn das fühlt sich erstmal fies an. Das ist ok und darf sich auch so anfühlen.


Wenn du dir hierbei Unterstützung wünschst und auch, wenn es nur einmal ein gemeinsames drüberschauen auf eure Umgangssituation ist, dann buch dir gerne ein Beratungsgespräch bei mir.




Ich freu mich darauf, dich begleiten zu dürfen und dir den roten Faden zu reichen.


Alles Liebe

Sandy



 
 
 

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