Was macht Patchwork eigentlich so schwer?
- Sandy Meyer

- vor 13 Minuten
- 3 Min. Lesezeit
„Wir sind jetzt eine Patchworkfamilie". Klingt so einfach. So romatisch irgendwie.
Als wäre eine Patchworkfamilie ein Puzzle, das man einmal hinlegt und dann fertig ist.
Die Wahrheit ist meist aber eine andere. Und ich glaube, es ist höchste Zeit, sie mal laut auszusprechen, damit du aufhörst, dir vorzuwerfen, dass es noch nicht „funktioniert".
Patchwork ist kein Projekt. Es ist ein Prozess.

Fangen wir mit dem an, was kaum jemand benennt: Es gibt nicht diese eine Version einer Patchworkfamilie. Es gibt verschiedene Konstellationen und jede bringt ihre ganz eigene Dynamik mit.
Es ist nicht kompliziert. Es ist komplex. Das ist ein Unterschied.
Die erste, nennen wir mal die „einfache" Konstellation: Du hast Kinder, dein neuer Partner nicht. Klingt überschaubar, oder? Aber schon hier stecken Fragen, die selten gestellt werden. Ist dein Partner freiwillig kinderlos? Wollte er oder sie je eigene Kinder? Was löst es in ihm oder ihr aus, in eine bestehende Elternbeziehung einzutreten, ohne die Biografie, ohne den Schlafentzug der ersten Jahre, ohne die Narben der Geburt? Und was löst das in dir aus?
Dann gibt es die zusammengesetzte Konstellation: Ihr bringt beide Kinder mit. Das klingt nach Augenhöhe. Ist es aber nicht automatisch. Wessen Kinder sind älter? Wer bringt zwei mit, wer vier? Wie war die eigene Schwangerschaft, die eigene Geburt? Eine Frau, die eine traumatische Geburt hinter sich hat und nun sieht, wie ihr Partner über die Geburt seiner Kinder erzählt, das ist keine Kleinigkeit. Das sitzt. Tief.
Und dann gibt es die komplexe Konstellation: Ihr habt all das und bekommt zusammen noch ein Kind. Jetzt haste es schriftlich von mir: Das ist nicht einfach „ein Baby dazu". Das ist ein System, das sich komplett neu ordnen muss.
Was bedeutet das für die Kinder, die schon da sind? Was denkt die Ex-Partnerin, der Ex-Partner? Wie reagiert das Umfeld? Wie belastend war diese Schwangerschaft? Emotional, körperlich, in Bezug auf die bestehende Familienstruktur?
Und dann kommt noch eine Schicht
Jetzt stelle dir vor: In jeder dieser Konstellationen steckt noch eine weitere, individuelle Dynamik.
Denn...
Zwei Patchworkfamilien mit derselben Grundkonstellation können trotzdem vollkommen verschieden sein. Weil die Vorgeschichten verschieden sind. Weil die Bindungsmuster verschieden sind. Weil eine Trennung nach zwanzig Jahren Ehe etwas anderes hinterlässt als eine nach drei. Weil manche Kinder mit Übergängen zwischen zwei Haushalten groß werden, die relativ friedlich laufen und andere wöchentlich in ein Minenfeld aus unausgesprochenen Konflikten stolpern.
Das ist keine Übertreibung. Das ist Alltag in Tausenden von Familien.
Und genau deshalb sind Sätze wie diese so gefährlich: „Nach ein paar Monaten pendelt sich das ein."
Nein. Das tut es nicht einfach so.
Es ist richtig harte Arbeit.
Sieben Jahre.
Es gibt eine Schätzung – in Fachkreisen wird sie immer wieder genannt – dass eine Patchworkfamilie im Schnitt etwa sieben Jahre braucht, um sich wirklich als System zu finden. Um zu wissen: Wer bin ich hier? Welche Rolle habe ich? Was sind meine Grenzen? Was trägt uns?
Sieben Jahre. Ich meine WTF ?
Kein halbes Jahr. Kein Urlaub, der euch zusammenschweißt. Keine große Feier, nach der alle endlich „eine Familie" sind.
Das ist keine schlechte Nachricht. I know, es klingt erstmal so. Aber wenn du das weißt, kannst du aufhören, dich dafür zu bestrafen, dass es noch nicht rund läuft. Du kannst aufhören zu glauben, dass andere das irgendwie besser hinbekommen. Und du kannst anfangen, deine Situation mit der Ernsthaftigkeit zu begegnen, die sie verdient.
Genau das.
Was das für dich bedeutet und warum du nicht allein damit sein musst
Patchworkfamilien sind keine gescheiterten Familien. Sie sind Familien im Aufbau. Und sie brauchen mehr als guten Willen: sie brauchen Orientierung. Einen Raum, in dem du benennen kannst, was gerade schwer ist. Ohne Schönreden. Ohne „das wird schon". Mit jemandem, der versteht, wie viele Schichten in deiner ganz konkreten Situation übereinanderliegen.
Wenn du gerade in einer Konstellation steckst, die dich erschöpft, verwirrt oder überfordert, eben weil sie einfach komplex ist, dann lass uns reden.
Buche dir jetzt einen Beratungstermin – damit du nicht weiter allein versuchst, ein sieben-Jahre-Projekt in sechs Monaten zu stemmen.




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