top of page

Co-Parenting – zwischen Anspruch, Alltag und echter Verantwortung

  • Autorenbild: Sandy Meyer
    Sandy Meyer
  • 8. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit
Titelbild mit Frau seitlich guckend

Viele Eltern kommen zu mir mit dem Gefühl, sie würden im Co-Parenting permanent scheitern. Nicht, weil sie es nicht wollen. Sondern weil sie müde sind. Von Erklärungen. Von Rechtfertigungen. Von dem inneren Anspruch, es „richtig“ machen zu müssen.


Co-Parenting klingt nach Kooperation, Augenhöhe und gemeinsamen Entscheidungen. Die Realität fühlt sich oft ganz anders an. Zäh. Emotional aufgeladen. Und manchmal schlicht unfair.


Ich begleite viele Familien nach Trennung oder in Patchwork-Konstellationen.


Und fast immer taucht irgendwann dieser Satz auf: „Wir müssten doch eigentlich besser funktionieren.“ Genau hier liegt ein häufiger Irrtum.

Denn Co-Parenting ist kein Zustand, den man erreicht. Es ist ein Prozess, der immer wieder Innehalten und Selbstreflexion erfordert.


Menschen, die möchten, dass dieser Weg für ihr Kind tragfähig bleibt, kommen zwangsläufig an eigene Themen.

An alte Verletzungen.

An Erwartungen.

An die Frage: Was bringe ich hier eigentlich mit hinein?


Dabei geht es nicht um perfekte Absprachen oder reibungslose Abläufe.

Sondern um die Bereitschaft, das Kind nicht zum Austragungsort eigener Konflikte zu machen. Also Entscheidungen zu treffen, die sich am Wohl des Kindes orientieren – nicht an ungelösten Paardynamiken.


Elternschaft endet nicht mit der Paarbeziehung.


Sie verändert ihre Form.

Und bleibt in ihrer Bedeutung bestehen.


Kinder brauchen nach einer Trennung auch keine zwei perfekt abgestimmten Eltern. Sie brauchen Erwachsene, die ihre Verantwortung nicht gegeneinander ausspielen. Die Konflikte nicht über die Kinder austragen. Und die es schaffen, ihre eigenen Verletzungen nicht zum Maßstab für Entscheidungen zu machen.


Ein häufiger Mythos im Co-Parenting ist die Vorstellung, Eltern müssten sich einig sein. Müssen sie nicht. Kinder können sehr gut aushalten, dass Regeln, Abläufe oder Haltungen unterschiedlich sind.


Was sie hingegen nicht gut aushalten:


Loyalitätskonflikte.

Unausgesprochene Spannungen.

Das Gefühl, zwischen zwei Fronten zu stehen.


In meiner Arbeit sehe ich immer wieder: Nicht die Unterschiede belasten Kinder. Sondern die Unsicherheit.

Wenn heute etwas erlaubt ist, morgen aber aus Trotz verboten wird. Wenn Übergaben emotional aufgeladen sind. Wenn Kommunikation abbricht oder nur noch über Vorwürfe läuft...


Co-Parenting scheitert selten an Organisation.


Es scheitert an ungeklärten Emotionen.

Und hier wird es wichtig, ehrlich hinzuschauen. Nicht alles, was sich nach „Grenze setzen“ anfühlt, ist tatsächlich eine Grenze. Manches ist Selbstschutz. Manches ist alte Wut. Manches ist der Versuch, Kontrolle zurückzugewinnen.

Bindungsorientiertes Co-Parenting bedeutet nicht, alles auszuhalten. Es bedeutet, Verantwortung dort zu lassen, wo sie hingehört. Bei den Erwachsenen.

Kinder sind nicht zuständig für Ausgleich. Nicht für Harmonie. Nicht für Gerechtigkeit.


Sie dürfen beide Eltern lieben. Ohne schlechtes Gewissen. Ohne Vermittlerrolle. Ohne Erklärungsnot.


Gerade im Patchwork wird Co-Parenting oft noch komplexer.


Mehr Bedürfnisse. Mehr Loyalitäten. Mehr Verletzungen, die ineinandergreifen.

Hier hilft kein weiteres Tool. Keine perfekte Regelung. Sondern Einordnung.

Was ist mein Thema? Was gehört wirklich zum Kind? Und was darf ich woanders bearbeiten?


Wenn es sich gerade anstrengend anfühlt, ist das kein Zeichen von Versagen.

Oft ist es ein Hinweis darauf, dass du hinschaust, statt auszuweichen.

Und genau darin liegt der Anfang von Veränderung.


In einem Beratungsgespräch mit mir sortieren wir gemeinsam eure ganz individuelle Situation. Wir schauen, was wirklich zum Kind gehört, was zwischen den Erwachsenen wirkt und wo Entlastung möglich ist, ohne neue Fronten aufzubauen.


 
 
 

Kommentare


bottom of page